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Erklärung zur Veröffentlichung der Gen. Matthes und Volland

Die genannten. Genossen haben sich mit einer E-Mail an Mitglieder unseres Verbandes gewandt und reagieren damit auf Artikel, die wir auf unserer Internet-Seite veröffentlicht haben. Dabei gehen sie wie so oft in der Vergangenheit nicht auf Inhalte oder Fragestellungen ein, sondern verurteilen die Autoren und unterstellen uns pauschal Falschmeldungen,Fehlinformationen oder jetzt sogar die Anwendung unredlicher Mittel.

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von Internetredaktion

Grüße zum Ehrentag

Unser herzlicher Gruß geht am heutigen Tag an alle ehrenhaften Angehörigen des Ministeriums für Staatssicherheit.

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von Internetredaktion (Kommentare: 0)

An alle Mitglieder

In den letzten Wochen wurden Briefsendungen an die Mitglieder unseres Traditionsverbandes versandt, die zum einen zu einer Unterschriftensammlung aufriefen, um auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eine Abwahl des Präsidiums und den Beschluß für eine neue Satzung zu erreichen.

Dieser Brief wurde damit begründet, daß aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Präsidium diese Zielstellung anders nicht umzusetzen ist. Zum anderen wurde im Namen des Präsidiums allen Mitgliedern ein Satzungsentwurf zugestellt, auf dessen Grundlage die Diskussion über die neue Satzung erfolgen soll.

Diese Vorgehensweisen von einzelnen Mitgliedern des Präsidiums und des Ältestenrates sind weder durch Beschlüsse des Präsidiums legitimiert, noch sind sie vom Vereinsrecht gedeckt. Zu den Vorgängen wurden durch unsere Schiedsstelle bereits Untersuchungen eingeleitet und dazu wird auf der nächsten Präsidiumssitzung eine Aussprache erfolgen. Über die Ergebnisse und notwendigen Maßnahmen werden alle Mitglieder informiert.

 

Die Pressestelle

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von web597 (Kommentare: 0)

Rede des Genossen Generaloberst Fritz Streletz

Liebe Genossinnen und Genossen !

Am 1. Dezember 2011 begehen ehemalige Angehörige und Zivilbeschäftigte der Deutschen Grenzpolizei sowie der Grenztruppen der DDR den 65. Jahrestag des Aufbaus der ersten Grenzpolizeieinheiten in den Ländern der sowjetischen Besatzungszone.

Anlässe für spezielle Feiern oder Festveranstaltungen bestehen meines Erachtens nicht.

Es gibt jedoch gute Gründe in den Tagen um den 01. 12. in den Organisationen der Gesellschaft für rechtliche und humanitäre Unterstützung und in den bestehenden Traditionsvereinen zusammen zu kommen, um mit Achtung und Dankbarkeit an die etwa 500.000 ehemaligen DDR-Bürger zu erinnern, die von 1946 bis 1990 ihre staatsbürgerlichen und militärischen Pflichten zum Schutz ihres Landes und zur Erhaltung des Friedens gewissenhaft erfüllt haben.

Sie werden vor allem an ehemalige Kampfgefährten erinnern, die 1945/46 aus faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern, aus der Emigration oder aus der Gefangenschaft kamen und ohne zu zögern die Verantwortung für den Aufbau und die Entwicklung neuer Grenzsicherungsorgane übernahmen.

Sicher werden bei diesen Zusammenkünften von Veteranen der Deutschen Grenzpolizei und der Grenztruppen auch ehemalige Mitstreiter gewürdigt, die in den anderen Schutz- und Sicherheitsorganen der Grenzorte und Grenzkreise ihren Dienst versahen und im Zusammenwirken die Maßnahmen der Grenzsicherung unterstützten.

Dazu zählten ab August 1952 auch die Grenzpolizeihelfer, die aus der Bevölkerung der Grenzgebiete gewonnen wurden.

Die Teilnehmer dieser Treffen werden ihr ehrendes Gedenken für die 25 im Grenzdienst ermordeten Genossen erneuern und sie werden auch den Menschen ihr aufrichtiges Mitgefühl bekunden, die beim Versuch des illegalen Grenzübertritts bzw. bei gewaltsamen Durchbruchsversuchen tödliche Verletzungen oder schwere Körperschäden erlitten.

Dieses Mitgefühl ehemaliger Grenzer ist aufrichtig. Sie hatten niemals die Absicht Grenzverletzer zu töten.

Wenn auch Politiker, Juristen, Historiker und die verschiedensten Pseudo-Wissenschaftler den 65. Jahrestag des 1. Dezember 1946 zum Anlass nehmen werden, die DDR, ihr Grenzregime, die Deutsche Grenzpolizei und die Grenztruppen zu verteufeln, gibt es für ehemalige Angehörige und Zivilbeschäftigte der Grenzpolizei und der Grenztruppen keinen Grund sich ihrer Pflichterfüllung zu schämen und ihre Biografie zu verleugnen. Die Sicherung der Staatsgrenze der DDR war in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf Grund der bestehenden Bedrohung und der nachweisbaren Gefahren unverzichtbar und legitim.

Das Grenzregime und der Einsatz der Deutschen Grenzpolizei und der Grenztruppen entsprachen der Rechtsordnung der DDR und den Bestimmungen der UNO-Charta.

Auf die zahlreichen Strukturveränderungen und Reorganisationsmaßnahmen sowohl bei der Deutschen Grenzpolizei als auch später bei den Grenztruppen, einschließlich des Einsatzes der sowjetischen Berater von 1952 bis 1958, brauche ich nicht näher einzugehen, da viele der hier anwesenden „Grenzer“ diese Fragen persönlich miterlebt bzw. auch mitgestaltet haben.

Es sei mir jedoch gestattet, in Vorbereitung auf den 65. Jahrestag an die Genossen zu erinnern, die einen großen Anteil bzw. große Verdienste bei der Schaffung der Deutschen Grenzpolizei, bei der Entwicklung der Grenztruppen der DDR sowie bei der Organisation der Sicherung der Staatsgrenze hatten.

Es sei mir gestattet an die Grenzpolizisten der ersten Stunde zu erinnern. Viele verdienen es genannt zu werden, wenn es darum geht, jene zu würdigen, die in schwerer Zeit den Auftrag erhielten, die ersten Grenzpolizeieinheiten zu formieren oder in ihnen unter denkbar schwierigen Bedingungen Grenzdienst an der Demarkationslinie der SBZ (der späteren Staatsgrenze der DDR) zu verrichten. Stellvertretend für all jene, die unter großen persönlichen Opfern ein Teil ihres Lebens oder mitunter fast ihr ganzes Leben dieser Aufgabe widmeten seien hier genannt:

Die beiden Präsidenten der Deutschen Verwaltung des Innern, der die Grenzpolizei unterstand, Erich Reschke und Dr. Kurt Fischer, in Mecklenburg VP-Inspekteur Claus Mansfeld sowie später VP-Oberst Gerhard Prüfer, in Brandenburg VP-Inspekteur Fritz Neidhardt, in Sachsen – Anhalt VP-Inspekteur Josef Schütz, in Sachsen VP-Inspekteur Helmut Fuchs, in Thüringen VP-Inspekteur Hans Jopp.

In Erinnerung sollen auch jene bleiben, die noch vor Gründung der DDR ihren Eid als Grenzpolizisten leisteten und ihr Leben dem Schutz der antifaschistisch - demokratischen Ordnung und der Staatsgrenze der DDR widmeten. Als Aktivisten der ersten Stunde bewährten sich neben vielen anderen, die aus Zeit und Platzgründen unerwähnt bleiben müssen, im nicht immer leichten Dienst bei den Grenzsicherungsorganen der DDR, die Grenzer Harald Bär, Heinrich Stock, Karl Wilhelm, Heinz Schieck, Helmuth Beuthe, Dieter Clasen, Hilbert Gundermann, Heinz Krammer, Gerhard Lorenz, Edwin Maseberg, Fritz Riebisch. Das waren alles Grenzpolizisten noch vor Gründung der DDR, die in späteren Jahren alle in verantwortungsvollen Dienststellungen der Deutschen Grenzpolizei, in den Grenztruppen der DDR und in der Nationalen Volksarmee dienten. Zu würdigen ist an dieser Stelle aber auch der legendäre Joseph „Sepp“ Hausladen, Grenzpolizist seit 1948, als einer der ersten Grenzpolizisten 1954 mit der Medaille „Für vorbildlichen Grenzdienst“ für die Festnahme von fast 800 Grenzverletzern ausgezeichnet. Nach 1961, bei der militärischen Grenzsicherung der Staatsgrenze, erwarben sich besondere Verdienste solche Genossen, wie Generalleutnant Peter, Generalmajor Borufka, Generalleutnant Leonhardt, Generaloberst Baumgarten, Generalmajor Teichmann und vielen anderen, die auch hier genannt werden könnten und müssten.

Die Entwicklung der Deutschen Grenzpolizei und später der Grenztruppen der DDR hatte viele militärpolitische Höhepunkte.

Auf zwei dieser bedeutsamen Ereignisse möchte ich etwas näher eingehen.

  1. Die Grenzsicherungsmaßnahmen gegenüber Westberlin am 13. August 1961. In die Geschichte eingegangen als sogenannter „Mauerbau“.
  2. Die Unterstellung der Deutschen Grenzpolizei unter das Ministerium für Nationale Verteidigung und die militärische Grenzsicherung.
1. Zu den Maßnahmen des 13. August 1961

Es war für uns, für die ehemaligen Hoheitsträger der DDR, erfreulich festzustellen, dass im Zusammenhang mit der wüsten Hetzkampagne und der Schlammschlacht im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag des so genannten Mauerbaus viele ehemaligen Grenzer politisch standhaft und offensiv gegen die Verleumdung der DDR und ihrer Grenztruppen aufgetreten sind. Ich möchte die Gelegenheit unseres Grenzertreffens nutzen, um mich bei zwei besonders aktiven Grenzern für ihren beispielhaften Einsatz zu bedanken.

Es geht um den Genossen Ganßauge und um den Genossen Fricke. Beide Genossen haben in der Periode der wüsten Hetzkampagne und der Verleumdung und Verunglimpfung der Grenztruppen im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag des „Mauerbaus“ politische Gradlinigkeit und Standhaftigkeit bewiesen, und sich bei ihren Auftritten bzw. Veröffentlichungen nicht dem Zeitgeist angepasst. Selbst im „Stern“ lesen wir über Genossen Ganßauge - ich zitiere:

Noch heute berichtet der 84–jährige Ganßauge mit gewissem Stolz über jene Nacht. An der Notwendigkeit der Grenzsicherung zweifelt er keine Sekunde. Für diese Mauer habe ich aus Überzeugung gekämpft.

Soweit zu den Veröffentlichungen im „Stern“. Genosse Fricke hat mit seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum 50. Jahrestag des „Mauerbaus“ sowohl beim Freund wie beim Feind eine breite Beachtung gefunden. Für die „Neue Rheinische Zeitung“ hat er unter dem Slogan „Die Berliner Mauer – Geschichtsrevisionismus und Siegerjustiz“ insgesamt vier Artikel veröffentlicht.

  1. Die Berliner Mauer: Gründe für ihren Bau und ihre Einordnung in den Kalten Krieg
  2. Das Märchen von der „innerdeutschen“ Grenze und seine Funktion
  3. Die Legende vom „Schießbefehl“
  4. Schlussbemerkungen

Bei meinen Auftritten zur Erläuterung bzw. Vorstellung unseres Buches habe ich mich auch auf die Materialien von Oberst a.D. Hans Fricke gestützt. Nochmals vor diesem Forum: Herzlichen Dank Genosse Ganßauge und Genosse Fricke für Eure hervorragenden Leistungen.

Aus meiner Sicht kann man die Maßnahmen des 13. August nur richtig verstehen, wenn sie in die konkrete damalige historische Situation eingeordnet werden. Das geschieht leider nicht immer und immer seltener.

Historische Ereignisse werden zwar gewürdigt, es fehlt aber zumeist der historische Zusammenhang, oder wie man heutzutage sagt: Der historische Kontext.

Bekanntlich waren die Maßnahmen des 13. August 1961 auch eine Folgeerscheinung des „Kalten Krieges“.

  1. Der Hauptstoß des Kalten Krieges war gegen die Sowjetunion gerichtet.
  2. Sie wurde so in der internationalen Politik der USA aus einem Hauptverbündetenden USA zum Hauptfeind gemacht.
  3. Die Sowjetunion war aus dem zweiten Weltkrieg als eine Großmacht hervorgegangen, deren internationale Autorität und deren internationaler Einfluss spürbar gewachsen waren.

Dieser Einfluss der Sowjetunion auf die Weltpolitik musste gestoppt, bzw. verhindert werden. Die Ziele, die die USA zusammen mit anderen imperialistischen Mächten mit dem Bruch der Antihitlerkoalition und der Schürung des Kalten Krieges verfolgten, lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Erstens sollte die weltpolitische Rolle der Sowjetunion, die durch ihren entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Faschismus eine qualitativ neue Stufe erreicht hatte, unwirksam gemacht werden.

Zweitens sollten die nach dem zweiten Weltkrieg im Gefolge der antifaschistischen Befreiungskampfes entstandenen volksdemokratischen und sozialistischen Staaten Osteuropas beseitigt, der Sozialismus in der Welt zurückgedrängt und das Entstehen des sozialistischen Weltsystems verhindert werden.

Drittens sollte dem Vormarsch der progressiven, antifaschistischen Kräfte in den kapitalistischen Ländern Westeuropas, ihrem Kampf um Demokratie und Sozialismus entgegengewirkt und die geschwächte kapitalistische Herrschaft in diesen Ländern wieder stabilisiert werden.

Viertens ging es darum, die Entfaltung der nationalen Befreiungsbewegungen und den Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems zu verhindern.

Fünftens sollte zur Erreichung aller dieser Ziele der politische und militärische Zusammenschluss der imperialistischen Mächte unter der Führung der USA gefördert werden.

Das bedeutete, dass die USA ihre Vorherrschaft über die von ihnen abhängigen anderen imperialistischen Staaten sichern wollten. Das ist eine kurze Charakterisierung der Lage im Sommer 1961.

Einige Fakten zur Erinnerung an die damalige Militär-politische Lage in Zentral – Europa:

Bekanntlich erlitten die kubanischen Konterrevolutionäre, unterstützt von den USA vom 17. bis 19. April 1961 in der Schweinebucht auf Kuba eine vernichtende Niederlage. Kurz nach diesem politischen Ereignis trafen sich am 3. und 4. Juni erstmals der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow und US-Präsident John F. Kennedy in Wien. Chruschtschow kam durch den kubanischen Sieg gestärkt und Kennedy geschwächt nach Wien. Drei Themen standen auf der Agenda:

  1. Einstellung der Kernwaffenversuche
  2. Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland und
  3. Regelung der Westberlinfrage

Bei dieser Begegnung drohten sich Chruschtschow und Kennedy gegenseitig mit Krieg. Die Verhandlungen wurden erfolglos abgebrochen. Chruschtschow hatte bei dem Wiener Treffen mit Kennedy sehr hoch gepokert.

Bis Dezember 1961 wollte er mit der DDR einen Friedensvertrag abschließen. Ab diesem Zeitpunkt wollte er den Organen der DDR die volle Kontrolle über die Zugangswege nach Westberlin zu Lande, zu Wasser und in der Luft übertragen.

Westberlin stand also auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges im Mittelpunkt der Weltpolitik beider Führungsmächte. Hier ging es um die Frage: Friedliche Lösung, oder Krieg!

Beide Supermächte befanden sich nach dem Wiener Treffen in einer äußerst komplizierten Militär-politischen Lage. Warum hatte die Lösung des „Westberlin-Problems“ für die beiden Supermächte nach dem Gipfeltreffen so eine weltpolitische Bedeutung? Es ging um die Glaubwürdigkeit und die Autorität sowohl der USA als auch der Sowjetunion.

Für den amerikanischen Präsidenten Kennedy ergab sich folgender Sachverhalt:

Wenn ich Westberlin mit den über 2 Millionen Einwohnern aufgebe und sie werden vom sozialistischen Lager vereinnahmt ist die Glaubwürdigkeit, das Vertrauen und die Zuverlässigkeit der USA in der kapitalistischen Welt vor allen Dingen in der NATO verloren. Die USA würde vor der ganzen Welt als Verlierer dastehen. Deshalb muss der Status von Westberlin unter allen Bedingungen (falls erforderlich auch durch Krieg) aufrecht erhalten werden.

Für die Sowjetunion, vor allen Dingen für Chruschtschow ergab sich folgender Sachverhalt:

Seit über zwei Jahren drohte Chruschtschow mit einem Friedensvertrag, erst mit beiden deutschen Staaten, dann nur mit der DDR. Das Westberlin – Problem musste gelöst werden. Wenn es keine Lösung gibt, steht die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen zur Sowjetunion durch die sozialistischen Staaten und den Warschauer Vertrag auf dem Spiel. Außerdem musste Chruschtschow berücksichtigen: China und Albanien werden dadurch in ihrer Auffassung gestärkt die Politik der Annäherung zur USA und der Besuch Chruschtschows in den USA waren politische Fehler. Hier ging es um die Autorität von Chruschtschow als Repräsentanten des sozialistischen Lagers, aber auch um die Autorität und Glaubwürdigkeit der Sowjetunion als führende Kraft des sozialistischen Lagers. Wir sollten nicht vergessen: Berlin war auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges der gefährlichste Ort der Welt geworden.

Berlin war zugleich der Hauptschauplatz des Konkurrenz-Kampfes zwischen den USA und der Sowjetunion.

Beide Führungsmächte brauchten einen Kompromiss, wenn sie keinen Atomkrieg riskieren wollten.

Dieser wurde mit den Grenzsicherungsmaßnahmen des 13. August in Berlin gefunden.

Es liegt uns jedoch vollkommen fern, die Verantwortung für den 13. August 1961 auf Dritte zu schieben.

Wir, die DDR, hatten ein starkes Interesse daran, dass die Westberlin-Problematik gelöst wurde.

Man sollte hierbei nicht vergessen: Die DDR, vor allen Dingen Berlin, die Hauptstadt der DDR, sollte das Schaufenster des Sozialismus werden. Das war mit der „offenen Grenze“ zu Westberlin aber nicht möglich.

Aus unserer Sicht gab es für die DDR sehr ausschlaggebende Militär-politische und ökonomische Gründe die einer Lösung bedurften.

1. Einige militärpolitische Probleme für die Grenzsicherung:

Auf der Grundlage der Weisung von Stalin wurde im Zusammenhang mit dem Korea-Krieg 1952 die Aufgabe gestellt, ein sowjetisches Grenzsicherungssystem gegenüber den kapitalistischen Staaten von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer zu schaffen. Eine Kette ist immer so stark, wie ihr schwächstes Kettenglied. Schwächstes Kettenglied im gesamten Warschauer Vertrag war die offene Grenze zu Westberlin.

Westberlin war für die NATO – Frontstadt. 6.000 – 7.000 amerikanische, 3.000 – 4.000 englische und 3.000 französische Soldaten sowie 20.000 Westberliner Polizisten waren dort stationiert. Mitten in der DDR rund 30.000 Mann feindliche bewaffnete Kräfte. Etwa 80 Geheimdienste und Organisationen haben von Westberlin aus zielgerichtet gegen die DDR, die Sowjetunion und den Warschauer Vertrag gearbeitet.

Bereits 1955 gab es in Berlin annähernd 12.000 hauptberufliche Spione, die die offene Grenze zwischen NATO und Warschauer Vertrag zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Kontrolle passieren konnten. Allein 117 para-militärische Organisationen, die Mehrzahl von ehemaligen Wehrmachts- und SS-Offizieren geführt, wie beispielsweise der „Stahlhelm“, der „Kyffhäuser-Bund“, der „Verband deutscher Soldaten“, der „Bund ehemaliger Fallschirmjäger“ sowie Vereinigungen der Waffen-SS waren in der „Frontstadt“ Westberlin aktiv. Sicherlich war dieser Umstand auch einer der Gründe, warum führende Politiker der DDR die Grenze zu Westberlin als „Antifaschistischen Schutzwall“ bezeichneten. Hinzu kommt, in den annähernd 80 Westberliner Flüchtlingslagern wurden alle Republik-Flüchtlinge durch die westlichen Geheimdienste befragt nicht wenige von ihnen wurden angeworben. Soweit zu einigen „militär-politischen“ Problemen im Zusammenhang mit dem 13. August 1961.

2. Einige ökonomische Gründe zur Grenzschließung:

Für die Partei- und Staatsführung der DDR gab es auch vorrangig schwerwiegende ökonomische Probleme, die im Zusammenhang mit der Westberlin-Problematik einer Lösung bedurften. Am 13. Juni 1961 erklärte Konrad Adenauer: „Verhandlungen mit der Zone kommen für uns nicht in Frage“. Damit waren die Würfel gefallen.

Wie war die Lage im Sommer 1961?

Nach den uns damals im Ministerium für Nationale Verteidigung zur Verfügung stehenden Unterlagen sind bis 1961 durch die offene Grenze, vor allem zu Westberlin, 2,9 Millionen Bürger der DDR in die BRD gegangen.

Darunter waren 664.000 Jugendliche unter 25 Jahren (Wehrdienst), 12.000 Ingenieure und Techniker, 13.800 Lehrer, 600 Hochschullehrer und 2.400 Ärzte Dadurch entstand der DDR aus unserer Sicht ein Schaden von 120 Milliarden Mark. Durch den Westen wurde diese Summe nach unserer Kenntnis niemals anerkannt. Es war ein kostenloser Zufluss von Human-Kapital für die BRD. Zugleich ein großer, nicht wieder gut zumachender Verlust für die DDR.

Gestatten Sie mir, dazu folgende Beispiele an zuführen: Ein Pädagogik-Student, der Lehrer werden wollte, kostete dem Steuerzahler der DDR rund 200.000 Mark der DDR. Für einen Medizin-Studenten hat der Staat bereits bis er Arzt wurde, annähernd 450.000 bis 500.000 Mark ausgegeben. Ein in Moskau oder Leningrad studierender DDR-Bürger kostete dem Steuerzahler über 600.000 Mark. Nicht wenige Studenten der DDR hatten 1960 und 1961 im letzten Studienjahr schon Verträge mit Westberliner bzw. westdeutschen Institutionen oder Betrieben, in denen sie nach Beendigung des Studiums arbeiten wollten. (Beispiel: Indira Ghandi - Militärdelegation Januar 1976)

Ein weiteres Problem bestand darin: In Westberlin arbeiteten 63.000 registrierte Grenzgänger. Die Zahl der Gelegenheitsarbeiter wurde auf 40.000 geschätzt. 15% der Berufstätigen der Hauptstadt der DDR arbeiteten in Westberlin. Sie wohnten bei uns, nutzten alle Vorteile, arbeiteten aber in Westberlin. Der jährliche Schaden dadurch betrug 2,5 Milliarden Mark, wozu es aber unterschiedliche Einschätzungen gibt. So können noch andere Beispiele genannt werden, die uns gezwungen haben, eine Grenzsicherung um Westberlin zu errichten.

Natürlich haben diese Maßnahmen viele Härten, viel Leid und viele Unannehmlichkeiten mit sich gebracht. Familien wurden getrennt, Freundschaften wurden unterbrochen gut bezahlte Arbeitsstellen gingen verloren und vieles mehr. Im Interesse der Erhaltung des Friedens in Europa mussten aber leider solche Grenz-Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Westmächte haben unsere Handlungen am 13. August 1961 akzeptiert.

Ihre strategischen Interessen wurden nicht berührt.

  1. Unveränderter Status von Westberlin
  2. Politische und militärische Präsenz in Westberlin
  3. Sicherer Verkehr zwischen Westberlin und der BRD

Es lag deshalb kein Grund zum Eingreifen der NATO vor, auch wenn vorher die Stärke und Gefechtsbereitschaft der NATO-Truppen erhöht wurden. Die Forderungen Adenauers und einiger weiterer westlicher Politiker Maßnahmen gegen die Grenzsicherung zu ergreifen, wurden von den Westmächten ignoriert. Bei Kennedy klang das so:

Keine besonders angenehme Lösung, aber eine Mauer ist verdammt noch mal besser als Krieg …

Es gab im Juli 1961 ein wichtiges militär-strategisches Ereignis, das von Massenmedien bei der Hetzkampagne zum 50. Jahrestag des Mauerbaus verschwiegen wurde. Der 16. Juli 1961 war für die Sowjetunion und für die militärstrategische Lage des Warschauer Vertrages ein sehr erfolgreicher Tag, auch mit einer wichtigen Veränderung für die amerikanische Militärpolitik, ein schwarzer Tag für die „Falken“ in der US-Administration.

Nun zu dem Ereignis.

Chruschtschow handelte nach dem Grundsatz: Nur wer seine Stärke demonstriert bleibt glaubhaft. Am 16. Juli 1961 begann die 70. Staffel der sowjetischen strategischen Raketenstreitkräfte mit einem komplexen Test ihrer mächtigsten Waffe. Innerhalb weniger Stunden wurden zwei Exemplare der größten Rakete der Welt abgeschossen. Die beiden R 7 (NATO-Code SS-6 „Sapwood“) starteten auf dem Militärstützpunkt Angara rund 800 Kilometer nördlich von Moskau. Es ist die Generalprobe für den Ernstfall. Die sowjetischen Raketenspezialisten wussten genau, dass alle ihre Starts von amerikanischen und britischen Geheimdiensten registriert wurden – anhand der Signale, die jede Rakete nach dem Abheben an die Bodenstation schickte.

Genau darauf zielte der doppelte Test: Er sollte Washington und London vor Augen führen, dass die Sowjetunion für den ganz großen, den nuklearen Krieg bereit war. Die R 7, im Wesentlichen baugleich mit den Trägerraketen des sowjetischen Raumfahrtprogramms, konnte im Ernstfall mit ihrer Reichweite von 12.800 Kilometern jedes Ziel in den USA treffen. Gegen ihre 3 Megatonnen starken Sprengkopf, eine Wasserstoffbombe, bot kein Bunker der Welt Schutz. Die „Falken“ der US-Administration und die führenden US-Militärs wussten genau: Die interkontinentale Rakete war die Waffe der UdSSR, gegen die weder die USA noch die NATO mit den vorhandenen Abwehrmöglichkeiten etwas ausrichten konnten.

Bisher waren sie davon ausgegangen, dass die mit Kernwaffen ausgerüstete sowjetische Bomberflotte von den überlegenen Jagdflugzeugen der US Air Force abgefangen werden konnte, und die mit drei „Scud“- Raketen ausgerüsteten Raketen-U-Boote der Golf-Klasse binnen kurzer Zeit durch die Kräfte und Mitteln des U–Bootabwehrsystems der USA und der NATO versenkt werden könnten. Nun verfügte die Sowjetunion über die R 7, gegen die es keinen Schutz gab. Die „Unverwundbarkeit“ des Territoriums der USA war ab diesem Zeitpunkt endgültig vorbei. In einem möglichen „atomaren Schlagabtausch“ wäre das Territorium der USA genauso Kriegsschauplatz wie die europäischen Staaten geworden.

Bekanntlich ist im 2. Weltkrieg, bildlich gesprochen, keine Fensterscheibe in den USA kaputt gegangen dagegen gab es auf dem Territorium der Sowjetunion auf einer Tiefe von 2.000 Kilometern die „verbrannte Erde“. Sicherlich war dieser Raketen-Test einer der Gründe, warum Kennedy seinen Experten die Frage stellte: „Wie viele Amerikaner bei einem Nuklearkrieg sterben würden?“ Etwa 70 Millionen lautete die Antwort!

Aus meiner Sicht haben sich in diesem Zusammenhang die „Tauben“ gegenüber den „Falken“ in der US-Administration durchgesetzt und es gelang auch für Westberlin eine friedliche Lösung in Angriff zu nehmen.

Deshalb hatte dieser 16. Juli auch „indirekte“ Auswirkungen auf die Lösung des „Westberlin-Problems“.

Gestatten Sie mir ein 2. Problem anzusprechen: Die Unterstellung der Deutschen Grenzpolizei unter das Ministerium für Nationale Verteidigung und die militärische Grenzsicherung

Am 15. September 1961 fasste der Nationale Verteidigungsrat der DDR folgenden Beschluss: „Die Deutsche Grenzpolizei wird dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt und das Kommando der Grenztruppen gebildet. Chef der Grenztruppen ist Oberst Peter.“ Schon einen Tag vorher, am 14. September 1961 erhielt Minister Hoffmann vom Oberkommandierenden der GSSD, Marschall der Sowjetunion Konjew, die Weisung ein strenges Grenzregime an der Staatsgrenze zur Bundesrepublik Deutschland durchzusetzen, einschließlich der Schaffung von Pioniersperren und der Verminung von Abschnitten der Staatsgrenze.

Mit der Erfüllung dieser Weisung aus Moskau wurde schrittweise die militärische Grenzsicherung durchgesetzt.

Wir sollten aus meiner Sicht bei dieser Problematik berücksichtigen: Hier ging es nicht um eine normale Grenze zwischen zwei Staaten, sondern um die sensible Trennlinie zwischen Warschauer Vertrag und NATO.

In Wahrheit handelte es sich um die Hauptkonfrontationslinie der beiden unversöhnlich gegenüberstehenden Gesellschaftssysteme im kalten Krieg um die vordere Linie der Verteidigung des Warschauer Vertrages.

Niemals in der Geschichte der Menschheit und nirgendwo in der Welt, standen sich stärkere militärische Potentiale in Feindschaft gegenüber, als an dieser Grenze zwischen der DDR und der BRD. An dieser Tatsache hat auch die Konferenz von Helsinki nichts geändert. Das Territorium der BRD war das Hauptaufmarschgebiet der NATO. Das Territorium der DDR, mit seiner 1.300 km langen Grenze zur BRD, d.h. zur NATO, war der wichtigste Konzentrierungsraum für die Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages in der Westlichen Strategischen Richtung.

Die gewaltige Truppenkonzentration auf dem Territorium beider deutscher Staaten zwang zu der Schlussfolgerung, dass die Hauptaufgabe darin besteht, alles zu tun, dass dieses Waffenpotential niemals zum Einsatz kommt. Die Folgen einer militärischen Auseinandersetzung wären für beide deutsche Staaten verheerend gewesen. Beide deutsche Staaten wären von der ersten Stunde an in ihrer ganzen Tiefe Front gewesen.

Eine Unterteilung in Frontgebiet und Hinterland hätte es weder in der BRD noch in der DDR gegeben. Die modernen Präzisionswaffen und die Luftstreitkräfte hätten mit ihren Reichweiten sowohl die Oder als auch den Rhein erreicht. In einem modernen Krieg würde die Tendenz zu immer stärkeren Verlusten unter der Zivilbevölkerung, die sich in den letzten Kriegen abzeichnete, zweifellos ein Extrem erreicht haben.

Aus militärischer Sicht wurde daraus die Schlussfolgerung gezogen:

  1. Ein Waffeneinsatz ist nicht auf militärische Ziele zu begrenzen.
  2. Ein wirksamer Schutz der Zivilbevölkerung ist bei intensiven Kampfhandlungen so gut wie ausgeschlossen.
  3. Die Zerstörung beider deutscher Staaten wäre total.

Die Verhinderung eines Krieges ist der einzige Schutz vor seinen Folgen. Deshalb wurden auch von uns die Anstrengungen zur Friedenssicherung in Europa ständig verstärkt. Unter diesem Gesichtspunkt sollten auch die Maßnahmen des 13. August betrachtet werden. Wir sollten in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen:

Die Sowjetunion hat im 2. Weltkrieg nach den letzten Angaben annähernd 27 Millionen Menschen verloren. Die USA – 350.000. Nur wer Verständnis für das Ausmaß dieses Blutzolls aufbringt, kann auch Verständnis für die Nachkriegspolitik der Sowjetunion aufbringen. Ein solcher Überfall wie 1941 sollte nach Meinung der sowjetischen Partei- und Staatsführung sowie der führenden Militärs für die Zukunft ausgeschlossen werden.

Deshalb ging es der Sowjetunion in der Nachkriegszeit, besonders in der Periode des Kalten Krieges darum:

  1. Die Grenzen ihres Einflussbereiches soweit weg wie möglich, von der Sowjetunion zu errichten.
  2. Die Grenzen unter allen Lagebedingungen militärisch so zu sichern, dass ein überraschender Überfall soweit wie möglich ausgeschlossen wird.

Deshalb befand sich auch die GSSD (Westgruppe), die modernste und schlagkräftigste Gruppierung der Sowjetischen Streitkräfte, in einer ständigen Gefechtsbereitschaft. Eine militärische Überraschung durch die Gegenseite sollte ausgeschlossen werden. Keiner von uns wird in Abrede stellen, dass die Hauptaufgabe aus nationaler Sicht des polizeilichen Grenzschutzes sowie der militärischen Grenzsicherung darin bestand, Grenzdurchbrüche in beide Richtungen zu verhindern und Republikfluchten nicht zuzulassen.

Diesem Ziel diente auch der Aufbau des Grenzsicherungssystems, sowohl an der Staatsgrenze zur BRD als auch an der Grenze zu Westberlin.

Auf die Erfüllung dieser Aufgaben wurden die Angehörigen der Deutschen Grenzpolizei in den damaligen Ausbildungseinheiten und später die Angehörigen der Grenztruppen der DDR in den Ausbildungs-Regimentern vorbereitet. Dass nach der Umunterstellung der Grenzpolizei unter das Ministerium für Nationale Verteidigung die militärische Ausbildung und die Vorbereitung auf die Erfüllung der Aufgaben der Grenztruppen im Verteidigungszustand auf Grund der Vorgaben aus Moskau eine dominierende Rolle einnahm, ist allen hier anwesenden bekannt. Deshalb beinhaltete auch der jährliche Befehl 101 anteilig Aufgaben, die sich zu 40 Prozent auf den Grenzdienst im Frieden bezogen, aber zu 60 Prozent Maßnahmen zur Vorbereitung der Grenztruppen auf den Verteidigungszustand umfassten.

Liebe Genossinnen und Genossen,

wir sollten aus meiner Sicht bei der Einschätzung des 13. August auch folgenden Gesichtspunkt berücksichtigen:

Der 13. August hat auf unserem Kontinent in hohem Maße zur Fortdauer der längsten Friedensperiode seiner Geschichte beigetragen. Vor aller Augen wurde sichtbar, dass die Grenzen zwischen der DDR und der BRD bzw. Berlin (West) keinen „innerdeutschen“ Charakter trugen. Die Lösung des Westberlin - Problems schuf die Voraussetzungen für die Entspannung ab Beginn der 70er-Jahre. Sie führte zu umfassender internationaler Anerkennung der DDR von 138 Staaten und 1973 zur gleichzeitigen Aufnahme beider deutscher Staaten in die UNO.

Wir fragen:

Wo bleibt heute eigentlich die Entrüstung, etwa über die israelische Mauer in Nahost, die doppelt so hoch ist, wie es die Berliner Mauer war, über die Grenzanlagen der USA gegenüber Mexiko, über die Brutalität an den EU-Außengrenzen, wo nachweislich über 14.500 Tote zwischen 1958 und 2009 an den Europäischen Grenzen zu verzeichnen waren, oder über den Grenzgraben zwischen Griechenland und der Türkei zwei NATO-Staaten. Dort wird ein 120 km langer, 30 Meter breiter und 7 Meter tiefer Graben an Stelle des flachen Grenzflusses Evros geschaffen. Die ersten 15 km sind bereits fertig gestellt.

Immer noch und verstärkt wird gegen die Grenzen der DDR Stimmung gemacht, um den Sozialismus im Nachhinein zu diffamieren.

Gestatten Sie mir, abschließend zu unterstreichen:

Wir hielten es für notwendig und zweckmäßig, in unserem Buch klar und beweisbar folgende Fragen zu behandeln und zu dokumentieren, und ich weiß, worüber ich spreche, denn ich war 11 Jahre Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages für die NVA der DDR.

Die Maßnahmen des 13. August 1961 in Berlin wurden im Interesse und auf Empfehlung bzw. Beschluss der Regierungen aller Warschauer Vertragsstaaten durchgeführt.

Die militärische Grenzsicherung der Staatsgrenze der DDR zur BRD und zu Westberlin erfolgte in der 40-jährigen Periode des Kalten Krieges nicht nur im Interesse der DDR, sondern auch im Auftrage des Warschauer Vertrages, im Interesse des Warschauer Vertrages und zum Schutz der Staaten des Warschauer Vertrages.

Diese Einschätzung und die große Kriegsgefahr im Sommer 1961 in Zentraleuropa beweisen die beiden Befehle von Marschall der Sowjetunion Gretschko und von Marschall der Sowjetunion Konjew, die sich als Anlage 1 und 2 in unserem Buch befinden.

Die DDR war in der 40-jährigen Periode des Kalten Krieges der wichtigste und der zuverlässigste Bündnispartner der Sowjetunion im Warschauer Vertrag. Sie leistete einen aktiven Beitrag zur Friedenssicherung in Europa. Kein Land im Warschauer Vertrag hatte so umfassende Verpflichtungen bei der Landesverteidigung gegenüber den Streitkräften des Warschauer Vertrages vor allen Dingen auch gegenüber der GSSD wie die DDR. Kein Land im Bündnis hat so gewissenhaft und so termingerecht die militärischen Verpflichtungen erfüllt, wie die DDR.

Aber auch das gehört zur historischen Wahrheit: Kein Land des Warschauer Vertrages wurde 1989/90 von Gorbatschow und Schewardnadse so hinterhältig verraten und verkauft wie die DDR.

Es sei mir folgender Hinweis gestattet: Obwohl unser Buch schon fünf Monate im Handel ist, und auch die 2. Auflage bereits vergriffen ist, hat sich nach meiner Kenntnis bis heute kein westlicher Politiker oder Historiker, kein früherer Bürgerrechtler zum Inhalt des Buches geäußert. Auch aus den Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam und dem Militär – Archiv in Freiburg sind keine Stellungnahmen zu unserer Veröffentlichung bekannt, obwohl wir die Spaltung Deutschlands, die Remilitarisierung im Westen und die aggressive NATO-Politik klar und unmissverständlich angeprangert haben. Im Gegenteil: Still und leise wird unsere Einschätzung akzeptiert. Man hört nur die Schlagworte des Kalten Krieges: Schießbefehl, Selbstschussanlagen und Verhöhnung der Mauer-Toten usw.

Liebe Genossinnen und Genossen, jeder Angehörige der Grenztruppen der DDR kann auch heute, erhobenen Hauptes und mit Stolz auf seinen geleisteten Ehrendienst zurückblicken. Er hat seine Aufgaben nach dem Recht und den Gesetzen des Staates erfüllt, der von 138 Staaten dieser Welt anerkannt war. Die internationale Autorität der DDR war nicht schlechter als die der BRD. Keiner von uns hat in einem „Unrechtsstaat“ gedient!

Ich bin fest davon überzeugt: Trotz der vielen Verleumdungen, Diskriminierungen und Kriminalisierungen wird die Geschichte ein gerechtes Urteil über den Beitrag der DDR zur Erhaltung des Friedens in Europa fällen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Fritz Streletz
Generaloberst a.D.

Die Grenztruppen standen in der ersten Staffel an der Nahtstelle der beiden größten Militärblöcke, der NATO und des Warschauer Vertrages. Sie waren den Angriffen direkt ausgesetzt und haben ihre Aufgabe zur Sicherung des Friedens in Ehren erfüllt. Dafür gilt ihnen unsere Anerkennung und uneingeschränkter  Dank. In diesem Zusammenhang begrüßen wir die Ehrung der Grenzsoldaten, die während ihres Dienstes ihr Leben verloren haben. Vertreter unseres Verbandes haben am 01. Dezember mit einem Blumengebinde der gefallenen Grenssoldaten gedacht. Wir werden auch zukünftig unserer gefallenen Kameraden gedenken denn auch sie gehören zu unserer Tradition.

Das Präsidium
02.12.2011

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von web597 (Kommentare: 0)

Ein Traditionsverband im Aufbruch

Der Maler Manfred Kandt schuf 1986 das Tafelbild „In ihrem Geiste". Ein Gruppenbildnis ( 2,50 x 4,50 m ), das mit einem historischen Figurenensemble die militärischen und revolutionären Traditionen der 1956 gegründeten Nationalen Volksarmee künstlerisch nachzustellen versuchte. Und da standen sie aufgereiht, posierten sie für uns, ihre späteren Erben:

Die bewaffneten Bauern aus Münzers rebellischem Haufen, die Kommunarden von Paris, die preußischen Reformer und die Aufständischen der 1848er Revolution, die Roten Matrosen von Kiel und die spanischen Interbrigadisten, der Mann vom Roten Frontkämpferbund, die Antifaschisten vom Nationalkomitee Freies Deutschland und der Sowjetsoldat. Ihr aller Kampf für die Sach' des gemeinen Mannes gegen Unrecht und Unterdrückung, gegen Militarismus, Faschismus und Krieg, fand in der Rolle der Nationalen Volksarmee Aufbewahrung und Fortsetzung.

Diesseits der Barrikade will der Traditionsverband jetzt verlassenes Terrain neu besetzen und dafür viele Mitstreiter gewinnen. In Strausberg und Leipzig konstituierten sich Standortgruppen. Weitere Gründungsveranstaltungen sollen folgen. Höchste Zeit, denn die Verteufelung von Alternativen zum Kapitalismus, insbesondere die Kriminalisierung der DDR und ihrer bewaffneten Organe, schlagen immer höhere Wellen und fordern Widerspruch, Rückkehr zur Realität und Gegenmacht heraus. Das Vorhaben des Verbandes setzt Rücksichtnahme gegenüber vielerorts schon bestehenden Organisationsformen voraus, in denen frühere Angehörige der NVA, Truppenteile, Waffengattungen und Dienste seit Jahrzehnten Erinnerungskultur pflegen.

Dieses Engagement will der Verband weder ersetzen noch einschränken. Sein spezifisches Anliegen bewegt sich auf einer anderen Ebene. Es hat erstens die schöpferische Aneignung des revolutionären Erbes zum Inhalt, es entfaltet sich zweitens auf einer ungleich größeren territorialen Grundlage und zielt drittens auf eine bundesweite Öffentlichkeit.

Ein anspruchsvolles Unterfangen, bei dem es vordergründig nicht um die Konservierung von Vergangenheit, sondern vielmehr um die Sammlung und Mobilisierung von Kräften zur Lösung von Gegenwarts- und Zukunftsfragen geht. Dafür ist natürlich eine mitgliederstarke Organisation erforderlich. Vorausgesetzt, möglichst viele der „Ehemaligen", egal ob sie nun 18 Monate, einige Jahre oder Jahrzehnte gedient haben, fühlen sich von den Traditionen der NVA angesprochen, bekennen sich dazu und nehmen erneut davon Besitz.

Eben das zu tun, könnte doch aus den derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnissen geschlussfolgert werden. Der Kampf um eine bessere Welt, um ein besseres Deutschland ohne Finanzhaie und Aufrüstungsweltmeister, ohne Krieg und soziales Unrecht ist noch nicht beendet, eine sozialistische Alternative verteidigungswürdig.

In„ Minna von Barnhelm" bringt es Gotthold Ephraim Lessing auf den Punkt:

Man muss Soldat sein für sein Land oder aus Liebe zu der Sache, für die gefochten wird. Ohne Absicht heute hier, morgen da zu dienen, heißt wie ein Fleischerknecht reisen, weiter nichts.

Kunstwerke der DDR, wie das von Manfred Kandt geschaffene „In ihrem Geiste", verschwanden nach 1990 zu Tausenden im bundesrepublikanischen Museumsknast, wurden weggeschlossen oder liquidiert. Man sieht es hierzulande nicht gern, wenn sich das Volk seiner historischen Vorbilder besinnt.

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